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Der Sonntag vom 20.02.03
Orgelstreit um Dresdner Frauenkirche beendet


Dresden - Der jahrelang andauernde Dresdner Orgelstreit ist endgültig beendet. Die Frauenkirche der Elbestadt wird nach ihrer Wiedererrichtung im Oktober 2005 ein modernes Instrument der Straßburger Firma Kern und keinen Nachbau der restlos zerstörten Silbermann-Orgel erhalten. Das gab die Stiftung Frauenkirche am Montag in Dresden vor Journalisten bekannt. Die Stiftung bestätigte damit ihre Entscheidung von vor einem Jahr, als sie sich bereits für das Konzept der Straßburger Orgelbaufirma Kern entschieden hatte.

Damit haben die Verfechter eines Nachbaus der historischen Orgel von Gottfried Silbermann (1683–1753) das Nachsehen. Als Konsequenz wird die Berliner Dussmann-Stiftung ihre ursprünglich für das Projekt zugesagte Spende in Höhe von 1,5 Millionen Euro zurückziehen.

Die Entscheidung für die "Kern-Orgel" mit 65 Registern hinter historischem Prospekt sei nach "nochmaliger reiflicher Überlegung" einstimmig gefallen, sagte der Vorsitzende des Stiftungsrates Bernhard Walter. Die Stiftung Frauenkirche stehe seit Sonntag "in guten Gesprächen mit einem anderen Großspender". Nach mehr als zehn Jahren "abwägender Erörterung aller Möglichkeiten" und "im Hinblick auf die Fortschritte beim Wiederaufbau" sei eine endgültige Entscheidung fällig gewesen, betonte Walter. Eine "so genannte originalgetreue Rekonstruktion des Ursprungsinstrumentes", das 43 Register aufwies, wäre jedoch weder "technisch machbar noch von der so wichtigen Intonation her wünschenswert und auch nicht zweckdienlich".

Die von Orgelexperten und Musikwissenschaftlern angestrebte "puristische Reproduktion" wäre im Ergebnis daher ein "mattes Abbild" ohne "Aura und Authentizität", so Walter. Die Orgel der Frauenkirche sei durch den Einsturz der Kirche nach alliierten Bombenangriffen im Februar 1945 "unwiederbringlich verloren gegangen". Zudem seien seit dem Erbauungsjahr 1736 am Original "viele grundlegende Veränderungen" vorgenommen worden.

Die Spende der Dussmann-Stiftung sei ausschließlich für eine Rekonstruktion der historischen Orgel von Gottfried Silbermann bestimmt gewesen, sagte Geschäftsführer Thomas Greiner. Wenn die Stiftung Frauenkirche sich für eine "Monsterorgel" entscheide, stünde das Geld dafür nicht mehr zur Verfügung und würde einem anderen Projekt in der sächsischen Landeshauptstadt zufließen, wo sich die Dussmann-Stiftung seit Jahren engagiert.

Die Dresdner Frauenkirche soll am 30. Oktober 2005 in originalgetreuer Form wieder eingeweiht werden.

Für das mit 127,8 Millionen Euro veranschlagte Bauvorhaben fehlen derzeit noch 22,5 Millionen Euro.